Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Ich erbitte Ihnen, uns allen, Gottes Segen, die Liebe Christi und die Kraft des Heiligen Geistes. Ich hoffe, wir alle können auf Erfahrungen der Nähe Gottes in diesen Sommermonaten zurückblicken, und ich hoffe, wir erzählen als Erstes diese Erfahrungen weiter. Für mich war der Weltjugendtag in Madrid mit mehr als zwei Millionen jungen Menschen eine ganz starke Erfahrung einer leidenschaftlichen, bunten, jungen und weltweiten Kirche. In vielen Begegnungen habe ich berührende Zeugnisse der Suche und des Glaubens gehört, und ich habe Gottes Gegenwart unter uns gespürt.
Ich bin bestärkt nach Hause zurückgekommen. Und ich sehe, dass unsere Kirche so viel lebendiger ist, als es berichtet wird. Wie sehr sich die Kirche bewegt, wird von vielen nicht wahrgenommen, die wie hypnotisiert nur auf die klassischen Streitfragen starren. Dabei ist die durch die Pfarrer-Initiative losgetretene Diskussion bei all ihrer Problematik auch ein Beweis dieser Lebendigkeit des Glaubens in unserer Zeit. Die Menschen schauen auf uns – und sie erwarten sich Großes von dieser Kirche, sogar noch dann, wenn sie die Kirche nicht mehr als ihre Heimat betrachten. Diese Hellhörigkeit, dieses Bewusstsein für eine Zeitenwende in der Kirche macht mir Mut für den großen Aufbruch, der seit drei Jahren in unserer Diözese im Gange ist. Und ich bitte inständig alle Katholiken, diesen Aufbruch mitzugehen – besonders auch alle, deren Kritik an den heutigen Zuständen sie als sorgende Kämpfer für den Glauben und das Heil der Menschen ausweist.
1. Den Aufbruch weiterführen
In diesem Monat sind es zwanzig Jahre seit meiner Bischofsweihe am 29. September 1991. Für mich ein Moment des Innehaltens, des dankbaren, aber auch selbstkritischen Rückblicks. Einfach waren diese Jahre nicht. Sie waren unter anderem gekennzeichnet von europäischen Megatrends: dem Auszug der Menschen aus den Institutionen und einer starken Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Das betrifft auch die Kirchen, und hier wieder alle – nicht nur uns Katholiken. Das Antlitz der Gesellschaft wandelt sich radikal. Es ist mir in diesen 20 Jahren immer deutlicher geworden: Die Kirche braucht einen ebenso radikalen Aufbruch, um den Menschen des 21. Jahrhunderts wirklich nahe sein und den Glauben verkünden zu können.
Der Prozess "Apostelgeschichte 2010" hatte den Sinn, diesen Aufbruch vorzubereiten. In der dritten Diözesanversammlung haben wir aus dem Schiffbruch des Apostels Paulus vor Malta Vertrauen gewonnen: Auch dann, wenn uns alle Sicherheiten genommen werden und die gewohnten Strukturen zerbrechen, werden die Menschen, die mit uns fahren, nicht zu Schaden kommen.
Dennoch ist diese Situation für unsere Kirche schmerzvoll. Unser Ansehen wird geringer, und es wird immer schwerer, in den tradierten Strukturen nach den gewohnten Maßstäben zu arbeiten. Diese Wahrnehmung teile ich mit vielen, etwa auch mit der Pfarrer-Initiative. Aber die tiefgreifenden Veränderungen rund um uns verlangen von der Kirche in Österreich adäquate Strukturen und einen Mentalitätswandel. Wir sollten uns daher eine Lösung unserer Probleme nicht durch Regeländerungen erhoffen, die, wenn überhaupt, nur von der Weltkirche vorgenommen werden können.
Die Lösung liegt zu allererst bei und in uns selbst. Es geht darum, den Aufbruch des Zweiten Vatikanums ernst zu nehmen, die Türen als missionarische Kirche weit aufzumachen und in die Welt hinauszugehen. Diese Erneuerung wird nur aus einer inneren Bekehrung heraus gelingen, und nur, wenn wir alle Verantwortung übernehmen. Kirche ist eine Gemeinschaft, in der jeder und jede als Bruder und Schwester Jesu einen unverwechselbaren Platz hat. Alle getauften Frauen und Männer haben Anteil am gemeinsamen Priestertum, um der Welt zu zeigen, dass Gott lebt und welche Kraft Er hat. Wichtig ist nicht, welchen Platz wer in der Struktur der Kirche einnimmt, sondern ob wir einander im Christsein ermutigen. Nicht die Anzahl der Priester ist entscheidend, sondern was jede und jeder, der und die in der Nachfolge Christi steht, dazu beiträgt, dass Gottes Reich in der Welt sichtbar wird – auch heute in Österreich.
Ich liebe die Volkskirche und ich kann gut verstehen, dass man die vergangene Größe der Kirche bewahren, die seit über 200 Jahren unveränderten Pfarrgemeinden weiterführen möchte. Etwas ist mir in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. An erster Stelle steht der Grundauftrag des Herrn an seine Kirche, an uns: Geht in alle Welt, verkündet das Evangelium! Das ist der Maßstab für all unser Tun. Von da her müssen wir uns der Frage stellen: Welche Strukturen helfen uns dabei und welche nicht (mehr)?
Im Prozess "Apostelgeschichte 2010" haben wir darüber bereits nachgedacht, vor allem aber Kirche miteinander neu erleben dürfen. Mein Hirtenbrief vom Mai d.J. hat daraus Schritte in die Zukunft abgeleitet. Nun gehen wir von der Nachdenk- in die Handlungsphase über. Wir haben dafür kein fertiges Rezept, sondern wollen es gemeinsam entfalten – im Hören auf unseren Meister: Christus. Deswegen habe ich von einem "Masterplan" gesprochen. Eine nach seinem Plan erneuerte Kirche wird den Menschen des 21. Jahrhunderts Christus besser verkünden und in ihren Nöten besser helfen können. Wir werden vielleicht kleiner und weniger angesehen sein, aber neu strahlen und unseren Auftrag glaubwürdiger erfüllen.
Es ist nicht überraschend, dass über Erneuerung kontrovers diskutiert wird; es ist notwendig. Denn nur im Austausch, im Gespräch, im Aufeinander-Hören und im gemeinsamen Suchen nach dem Willen Gottes kann das Anliegen der Reform der Kirche zu einem gemeinsamen Weg werden. Spaltungen hat es schon genug gegeben, fast immer im Namen der Reform der Kirche. Auch heute sagen manche, die Spaltung in der Kirche sei de facto schon geschehen. Ich sehe das nicht so. Die katholische Weite fasst auch unterschiedliche kirchenpolitische Optionen. Für mich ist das Gut der Einheit in unserer Ortskirche und der Einheit mit der Weltkirche etwas höchst Kostbares. Die Vielfalt unserer Kirche ist ein Geschenk, das einen weiten Raum in der Kirche eröffnet, in dem so viel möglich ist. Ebenso ist es ein Geschenk, dass wir in all dieser Verschiedenheit in einer Kirche zusammengehören. Das dankbare Bewusstsein dieser Einheit soll alle unsere Bemühungen begleiten.
Wir müssen also immer neu die Frage stellen: Meister, Herr, was willst Du? Was ist Dein Plan? Kirche ist kein Selbstzweck. Mission ist ihr Grundauftrag, und von diesem her sind auch jetzt die Entwicklungsschritte des "Masterplans" anzugehen:
2. Jeder trägt Verantwortung
Ich sehe meinen bischöflichen Dienst sehr stark geprägt von dem Neuen, das sich bereits vielgestaltig zeigt. Ich danke allen, die sich beherzt und mit Hoffnung auf das Neue einlassen. Sie geben mir die Gewissheit, dass die Kirche in unserem Land viel hoffnungsvoller und begeisterter daran geht, den Menschen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden, als das oft dargestellt wird.
Ich nenne ein Beispiel: Ich habe in den vergangenen Monaten das Dekanat Favoriten (Wien 10) visitiert. Es gehört zu den Gebieten, in denen die gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüche am stärksten spürbar sind. Unsere Gemeinden wandeln sich gewaltig. Wo früher zum Teil übergroße "Massenpfarren" waren, sind heute Inseln in einer säkularen, multikulturellen und multireligiösen Welt. Voll Dankbarkeit sehe ich das große Engagement der Kerngemeinden. Ich sehe, wie das Dekanat aktiv und mutig selber an die notwendigen Umgestaltungen herangeht. Ähnliches kann ich vom 15. Bezirk berichten. Alle Stadtdekanate sind in diesem Umgestaltungsprozess engagiert.
Die beiden Landvikariate waren in den vergangenen Jahren ebenfalls nicht müßig und haben über Strukturveränderungen nachgedacht und vorausschauend geplant, ohne dabei die Themen Jüngerschaft, Nachfolge Jesu, Glaubensvertiefung aus den Augen zu verlieren. Der Weinviertler Pilger- und Glaubensweg steht für viele Schritte in dieser Richtung.
Beides wird unser diözesaner Entwicklungsprozess aufgreifen: den Ruf in die Jüngerschaft und die Veränderung unserer Strukturen. Wir wollen dabei einen großen Wurf wagen. Das Zukunftsbild ist, dass es an vielen Orten verschiedenste Arten von Gemeinschaften von Katholiken und Katholikinnen gibt, die miteinander ihren Glauben leben. Insofern wird unsere Struktur kleinteiliger werden. Zugleich wird es größere Einheiten in verschiedenen Kooperationsformen heutiger Pfarren geben, um eine lebendige pastorale Arbeit zu fördern und die Gemeinden um geistliche Quellorte zu sammeln. Dabei werden sich auch manche Aufgaben des Pfarrers und der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark verändern.
Diese Form von Kirche lebt von der gemeinsamen Verantwortung, nicht nur von Amtsträgern. Nicht die staatskirchliche Versorgung früherer Zeiten ist hier im Blick, sondern viele Keimzellen des Glaubens um lebendige Zentren mit Strahlkraft. Solche Zentren können Pfarren sein, aber auch Klöster, kirchliche Schulen und Krankenhäuser, Caritasstellen etc. Hier werden Suchende Herberge finden, ohne festgehalten zu werden. Gastfreundschaft ist ihr Kennzeichen.
In zwei Arbeitsgruppen werden Schritte auf dem Weg in diese Zukunft unter breiter Beteiligung verschiedener Kräfte der Diözese erarbeitet. Ab Oktober wird es dazu Workshops, Konsultationen, Planung etc., ab etwa Ostern 2012 konkrete Vorgaben für variable Entwicklungen vor Ort geben.
3. Reform ja – aber welche?
Manche meinen, es gebe dennoch zu wenig oder nicht die richtigen Reformen. Seit frühester Zeit beschäftigt diese Frage die Kirche: Sie bedarf ständig der Erneuerung, aber worin besteht die wahre Reform?
Seit Jahren ist mein Herzensanliegen die innere Erneuerung im Glauben. Ich vertraue darauf, dass dieses Anliegen allen Richtungen gemeinsam ist. Die vergangenen 20 Jahre waren aber auch geprägt von der wiederkehrenden Forderung nach ganz bestimmten Regeländerungen, die nun auch in der Form einer "Aufforderung zum Ungehorsam" vorgetragen wird. Ich verstehe, dass manche dabei die Geduld verlieren, und bitte um Verständnis, dass auch ich sie nicht immer behalte.
Es gibt aber zwei unterschiedliche Denkansätze. Der eine ist in meinen Augen strukturkonservativ: Er hat zum Ziel, die Strukturen in der Kirche, so wie sie heute sind, aufrechtzuerhalten, etwa indem die Zulassungsbedingungen zum Priestertum geändert werden. Dabei wird übersehen, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der aktiven, praktizierenden Katholiken schneller zurückgegangen ist als die Zahl der Priester. Und die Erfahrungen - in unserer Kirchengeschichte, aber auch in anderen Konfessionen - zeigen, dass leidenschaftlich glaubende Gemeinden auch mehr Berufungen hervorbringen, nicht umgekehrt. Daher halte ich unseren Lösungsansatz für zukunftsfähiger und angemessener: Er versucht, die sich so tiefgreifend ändernde Wirklichkeit, in der wir heute als Kirche leben, in ihrer ganzen Tragweite wahr- und anzunehmen, um mit neuer Leidenschaft den Menschen von heute die christliche Botschaft anzubieten. Der missionarische Grundauftrag der Kirche drängt eben – wie bei Paulus – zu einer radikalen Erneuerung, sowohl beim Einzelnen wie in den Strukturen.
Zu denken gibt mir hier das Wort eines evangelischen Pfarrers, Eckard H. Krause, (er sprach auf unserer ersten Diözesanversammlung), der mir dieser Tage in Reaktion auf die Pfarrer-Initiative schrieb: "Für mich, als evangelischer Christ, sind viele dieser Einlassungen nachvollziehbar… In unserer evangelischen Kirche sind all diese Forderungen erfüllt. Aber unsere Kirche ist dadurch weder frömmer noch missionarischer geworden, noch ist die Akzeptanz der Kirche in der Gesellschaft gewachsen. Dogmatische, strukturelle und organisatorische Veränderungen machen Kirche nicht missionarisch, sondern eine missionarische Kirche wird in ihrer missionarischen Hinwendung zur von Gott geliebten Welt Zug um Zug erkennen, was sich in der Kirche ändern muss, damit sich Gottes leidenschaftliche Sehnsucht nach seinen verloren gegangenen Menschen ungehindert Bahn brechen kann."
Genau das ist das Anliegen, das mich durch alle Jahre meines Dienstes bewegt: "Mission zuerst", so habe ich es im Hirtenbrief "als oberste Priorität" genannt. Und dafür braucht es vor allem eine neue Dynamik des Aufbauens und Gründens. Diese so veränderte – und immer stärker suchende – Welt wird lebendige Keimzellen brauchen. Kleine, offene christliche Gemeinschaften mitten im weltlichen Geschehen, die gerade Laien in eine größere Verantwortung rufen werden. Diese "missionarische" Reform wird langfristig sicherlich auch weitreichende Strukturveränderungen zur Folge haben. Und wir müssen dazu auf keine Regeländerung der Weltkirche warten. Wir können in diesem Augenblick beginnen.
4. Mission und Aufbruch: Erfahrungen, die Mut machen
Viele Glieder unserer Diözese haben bereits reiche Erfahrungen mit pfarrlichen, dekanatlichen, ordenseigenen missionarischen Initiativen gemacht. Immer wieder zeigt sich in ihren Berichten davon zweierlei: Zuerst, dass wir selber durch solche Erfahrung verändert werden. Vom eigenen Glauben Zeugnis zu geben, belebt ihn. Es schenkt uns neue Freude am Glauben. Es zeigt uns – oft zu unserer eigenen Überraschung –, dass viel Offenheit und Suchen da ist und wie viele Menschen darauf warten, dass wir über den Glauben mit ihnen reden und unseren Glauben bezeugen. Dabei sind wir nicht Besserwisser, sondern die Sehnsucht der Menschen ist unsere Lehrerin.
Eine zweite Erfahrung wird mir immer wichtiger: Gott wirkt Neues! Wie oft haben in der Geschichte unerwartete Aufbrüche, Orden, Gemeinschaften, einzelne Heilige das Gesicht der Kirche nachhaltig verändert! Trauen wir Gott das auch für heute zu!
Die Statistik sagt: Wir werden weniger! Aber kann die Statistik erfassen, ob wir "heiliger" werden? Eine zentrale Botschaft des Zweiten Vatikanums ist "die universale Berufung zur Heiligkeit". Mich berührt es zutiefst, mehr und mehr junge, gläubige Familien zu erleben, die mit großer Bereitschaft Ja zum Glauben, zur Kirche, Ja zum Leben, zu mehreren Kindern und zur ehelichen Treue sagen. Und ich erlebe nicht wenige Männer, junge und ältere, die auch unter den bestehenden Vorgaben zum Priesterberuf bereit sind. Mehr als alle Theorie werden es immer solche gelebten Vorbilder sein, die Glauben wecken und vermitteln. Ich bete dafür, dass diese Eheleute und Priester ihren Weg ein Leben lang in Frieden und Treue gehen können.
Der Weltjugendtag in Madrid hat abermals gezeigt, welche Kraft junge Menschen aus ihrer Freude an Christus und am Kirche-Sein beziehen. In der Liebe zur ganzen Kirche, die nicht nur die Kontinente, sondern auch die Zeiten umspannt und deren Einheit im Amt des Papstes einen so starken Ausdruck findet, erleben diese jungen Menschen weit mehr als ein Megaevent. Ähnlich waren die Diözesanversammlungen von Apg 2010 Räume der gemeinsamen Glaubenserfahrung in einer Kirche, die bunt und vielfältig ist, das offene Wort verträgt und uns dabei erleben lässt, dass wir zusammengehören.
Die Kirche ist auch nach 2000 Jahren jung und lebendig. Sie ist voll von Neuem, von Aufbrüchen, die Mut machen. Wo wir die Türen und Tore weit aufmachen für die Menschen, dort geht der Himmel auf und wir entdecken das Reich Gottes unter uns.
5. Geschiedene Wiederverheiratete: die brennende Frage
In den letzten Jahren hat mich das Thema "Barmherzigkeit" intensiv beschäftigt. Es wird auch im Blick auf die Not der wiederverheirateten Geschiedenen immer wieder genannt. Kann, muss die Kirche hier nicht "barmherziger" werden? Ich habe seit 1998 bei vielen Gelegenheiten versucht, hier eine pastorale Hilfe anzubieten. Die diözesane Plattform für Wiederverheiratete Geschiedene (WiGe) hat mit fünf "Aufmerksamkeiten" auf den weiteren Umkreis der Problematik einer "gescheiterten Ehe" eine wichtige Handreichung entwickelt, die ich allen Seelsorgern empfehle. Die "WiGe" bietet zudem persönliche und seelsorgliche Hilfe für Menschen, deren Ehe gescheitert ist. Hier ist pastoral viel möglich. Zugleich ist aber festzuhalten, dass wir Jesu klare Worte nicht aushöhlen dürfen: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen" (Mt 19,6). Und bei aller Sorge um die, deren Ehe gescheitert ist, dürfen wir nicht vergessen, dass die katholische Kirche inzwischen fast die einzige Kraft ist, die die Ehe in unserer Gesellschaft verteidigt.
6. Dankbarkeit und Hoffnung
Den Weg der geistlichen und strukturellen Erneuerung wollen wir in der Erzdiözese beherzt weitergehen. Er ist vom klaren Ja zu unserer Zeit und zu unserer Situation geprägt, die wir als positive Herausforderung begreifen. Auf der Grundlage unserer Berufung zum gemeinsamen Priestertum wollen wir Zeugen und Zeuginnen des Auferstandenen sein. Die Reformschritte im Diözesanprozess sollen uns dabei unterstützen. (Der Herr Generalvikar zeichnet in dieser Ausgabe von Thema Kirche ein Bild der nächsten Schritte auf diesem Weg.) Die öffentliche Diskussion um die Kirche hat viel Dynamik in sich – nutzen wir diesen Wind, um mutig in die Zukunft zu segeln!
Am Beginn dieses erwartbar spannenden Arbeitsjahres kommt mir erneut die Emmaus-Geschichte in den Sinn, die uns ja auch schon auf dem Weg von Apostelgeschichte 2010 begleitet hat. Sie erzählt, wie aus Enttäuschten, die dem Herrn begegnen, Zeugen Seiner Auferstehung werden (vgl. Lk 24). Wichtig ist, dass wir – wie sie – gemeinsam auf dem Weg sind, in allen Unterschieden und Spannungen. Wir sind nicht alleine. Der Herr geht mit – wie damals nach Emmaus. Er erschließt uns den Sinn dessen, was sich ereignet, und er schenkt sich uns im Brotbrechen.
Die zwanzig Jahre des bischöflichen Amtes haben mich wirklich gefordert, aber auch erfüllt. Was bleibt, ist die Dankbarkeit – vor allem für alle die Momente, in denen der gemeinsame Glaube erfahrbar wird. Und eine große Hoffnung: Aus dem Glauben an Jesus Christus und aus der Gemeinschaft mit Ihm, ja aus der Freundschaft mit Ihm, kommt die Kraft, den Weg weiterzugehen und zwar gemeinsam. Dazu lade ich alle herzlich ein und bitte um den Segen Gottes!
Ihr
+Christoph Kardinal Schönborn
Wien, am 12. September 2011, dem Fest Maria Namen |